Nach dem mengenmäßig desaströsen Vorjahr erholt sich die italienische Olivenölproduktion. Herrscht im Süden positive Stimmung, so kämpfen Bauern im Norden des Landes jedoch mit erheblichen Ernteverlusten weil die Olivenfrüchte vor der Ernte von den Bäumen gefallen waren....

Mit nur knapp 175.000 Tonnen im vergangenen Erntejahr 2018/2019 hatte die nationale Olivenölproduktion Italiens einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. Dieses Jahr sprechen offizielle Schätzungen von knapp 365.000 Tonnen, einer Steigerung von 108,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ist es der Süden, der die Erntemengen sichert. In normalen Erntejahren tragen die Regionen Apulien, Kalabrien und Sizilien bereits zu 75 Prozent der nationalen Olivenölproduktion bei. Und dieses Jahr können sie diese Mengen liefern.

Nach den großen Frostschäden im Februar 2018 und dementsprechend schlechter Ernte erreicht Apulien dieses Jahr ein mengenmäßiges Wachstum von 185,5 Prozent und ist somit für gut 57 Prozent der gesamten nationalen Erntemenge verantwortlich. Kalabrien produziert sogar über 283 Prozent mehr Olivenöl im Vergleich zum Vorjahr. Im Ganzen betrachtet sieht es auch für Sizilien besser aus als in 2018. Die Region verzeichnet einen Zuwachs von knapp 90 Prozent.

Allerdings gilt dieses Wachstum nicht für alle Provinzen gleichermaßen. Im Südosten der Insel bei Ragusa und Chiaramonte Gulfi gab es während der Blüte große Temperaturschwankungen. Sebastiano Salafia von Frantoi Cutrera berichtete, dass das Thermometer binnen weniger Stunden von 24 auf 34 und 36 Grad geklettert war. Die Blüten vertrockneten viel zu schnell und es konnte sich kein Fruchtansatz bilden. Bauern in diesen Regionen müssen mit Ernteeinbußen von bis zu 70 Prozent rechnen.

Mittelitalien mit Regionen wie der Toskana und Umbrien erleiden Ernteeinbußen von 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Ligurien sind es über 70 Prozent weniger Olivenölmenge im Vergleich zum Vorjahr.

Am schlimmsten getroffen hat es die nördlichsten Regionen Italiens. Südtirol/Trentino, das Veneto, die Lombardei und das Piemont: alle produzieren etwa 90 Prozent und auch darüber weniger Menge im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist, dass in den letzten Wochen massenhaft die Oliven vom Baum gefallen sind. Zuerst nahm man an, dass dieses Phänomen mit widrigen Witterungsbedingungen während der Bildung des Fruchtansatzes zu tun hatte. Andere erste Untersuchungen deuten daraufhin, dass die ursprünglich aus Asien stammende marmorierte Baumwanze (lat. Halyomorpha halys) dafür mit verantwortlich sein könnte. Furio Battelini, Leiter der genossenschaftlichen Ölmühle Agraria Rival del Garda, ist davon nicht ganz überzeugt, da der anomale Olivenverlust auch in Olivenhainen auftrat, in der die Baumwanze kaum vorkam und die Bauern trotzdem 80 bis 90 Prozent weniger Oliven haben im Vergleich zum sehr guten Vorjahr. Olivenöl vom Gardasee ist dieses Jahr eine absolute Rarität, was sich auch im Preis niederschlägt....

Quellen:

www.ismeamercati.it

www.olivoeolio.edagricole.it mit Daten von Cia, Italia Olivicola & Aifo

www.teatronaturale.it