Nur mit größter Sorgfalt im Olivenhain und hochmodernen Ölmühlen ist Spitzenqualität möglich. Im Zuge der industriellen Lebensmittelproduktion verkam Olivenöl – wie andere Produkte auch - zum billigen, gern mal gepanschten Massenprodukt.

Jedes Jahr wieder steht Olivenöl auf einem der ersten drei Plätze der von der EU veröffentlichten Liste von Produkten, bei denen Lebensmittelbetrügereien am häufigsten vorkommen.

Mit der industriellen Herstellung ging unser persönlicher Bezug zu Lebensmitteln, mit den Billigpreisen auch unsere Wertschätzung für sie verloren. Billigstpreise bedeuten entweder mindere Qualität oder der Produzent ist gezwungen sein Qualitätsprodukt unter den eigenen Produktionskosten zu verkaufen, weil der Markt ihm nicht einen angemessenen Preis bezahlt. Der Weltmarktpreis für einen Liter natives Olivenöl extra aus Italien liegt bei ca. 3,50 Euro, der Liter selbiger Qualitätskategorie aus Spanien oder Griechenland zwischen 2,20 und 2,50 Euro und Olivenöl aus Tunesien bei nur 1,80 Euro (Stand: Mai 2020).

Dieser Preis deckt in vielen Regionen Italiens, Spaniens, Griechenlands und anderen Mittelmeerregionen, in über die Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften mit sehr geringem Anteil an superintensiven Monokulturen, nicht einmal die Erntekosten. Hinzu kommen aber noch Kosten für die ganzjährige Pflege der Olivenhaine wie z. B. Baumschnitt, Bodenarbeiten, Bekämpfung von Schädlingen wie der Olivenfliege, Kosten für die Verarbeitung der Oliven in der Ölmühle und Kosten für die Abfüllung und Lagerung des Öls. Ganz zu schweigen von Kosten für die aufwändige Instandhaltung und Reparatur von Steinmauerterrassen in hügeligen und steilen Lagen. Die Folge: Jeder Generationenwechsel bedeutet die Aufgabe von Olivenhainen. Ganze Landstriche verwildern und verwaisen.

Hochqualitative Olivenöle entstehen nur bei einer frühen Ernte, d.h. die Oliven sind noch nicht ganz reif, haben dadurch einen höheren Polyphenolgehalt, sind aromareicher, ergeben jedoch nur einen geringen Ölertrag von etwa 10 bis 12 Prozent, d.h. 100 Kilo Oliven ergeben 10 bis 12 Kilo Olivenöl. Je reifer die Oliven, desto höher der Ölanteil in der Olive, der bis zu gut 25 Prozent ansteigen kann. Dies geht allerdings auf Kosten der Aromen und Frische des Öls.

Einen Produzenten aus Italien, der auf Qualität und nicht Quantität setzt, kostet ein Liter seines Öls gut und gern zwischen 10 bis 30 Euro pro Liter – je nach Lage und Region, je nach Erntejahr, je nachdem ob konventionell oder nach Richtlinien des biologischem Anbaus produziert.

Spätestens jetzt müsste dem Verbraucher klar sein, dass er von einer Flasche Olivenöl zum Preis von 4,99 Euro der Liter keine Qualität erwarten kann.

Fotos: Tenute Librandi, Michaela Bogner, Stefan Bogner